Passionskonzert Via Crucis (Franz Liszt)

 Die Konzentration auf einzelne, sich über Stille erhebenden Töne, Skalen und Klänge können in dem sich darauf einlassenden Hörer Gefühle ohnmächtiger Verzweiflung erwecken. Über diesem musikalischen Eindruck soll sich die Andacht zur Passionszeit entfalten. Hier „predigt“ der 1865 zum Priester geweihte Komponist mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln. Dabei bedient er sich einer enormen stilistische Vielfalt aus mehreren kompositionsgeschichtlichen Epochen: 

Gregorianischer Hymnus (Einleitung und Station XIV) und protestantisches Kirchenlied (Stationen IV und XII), Choralsatz a la Bach (Station VI) und mit spätromantischer Harmonik expressiv gesteigerte Choralvariation (Station XII), unbegleitetes Solorezitativ, dramatisches Chor-Unisono und Frauenchor-Passagen. Diese vielfältigen vokalen Elemente sind eingebettet in einen technisch zwar einfachen, musikalisch aber höchst komplizierten und harmonisch raffinierten Orgelsatz. Die Hälfte der vierzehn Stationen sind reine oder doch vorwiegend reine Orgelsätze.

(Unter Verwendung des Vorwortes zur Druckausgabe von Thomas Kohlhase (Liszt 1977) und Han Theill (Rheinberger, 1995))

Autor: Juliane Baron