Midsommar – Schwedische Chormusik

Im Gegensatz zu Deutschland, wo der propagandistische Missbrauch des gemeinschaftlichen Singens durch die Nationalsozialisten tiefe Spuren hinterlassen hatte und wo Adornos Musikantenkritik sogar zur jahrzehntelangen Verbannung des gemeinsamen Musizierens aus den Musikklassenzimmern führen sollte, war das Verhältnis der Schweden zum Singen und zu ihrem Volksliedgut stets unverkrampft. Zum Einen zeigt sich hier der Einfluss der schwedischen Freikirchen, die der musikalischen Erziehung und dem gemeinsamen Singen seit jeher große Bedeutung beimessen. Andererseits aber verhalf seit dem Zweiten Weltkrieg Eric Ericson durch sein langjähriges Wirken als Dirigent des schwedischen Rundfunkchores und des Stockholmer Kammerchores dem Chorsingen in Skandinavien nicht nur zu stetig wachsender Beliebtheit, sondern auch vielen schwedischen Volksliedsätzen zu ungebrochener und europaweiter Popularität. So genießt in Schweden gleich ein ganze Reihe nationalromantischer Chorkompositionen – beispielsweise jene von Hugo Alfvén (Uti vår hage, Aftonen, Glädjens blomster, Och jungfrun hon går i ringen) und Wilhelm Stenhammar (Sverige, I Seraillets have) oder allen voran der Sommarpsalm von Waldemar Åhlén – bis heute mindestens den Bekanntheits- und Beliebtheitsstatus, den in Deutschland bestenfalls Mendelssohns O Täler weit, o Höhen für sich verbuchen kann.

Neben der Chormusik früherer Epochen, bildete vor allem die Neue Musik einen Schwerpunkt in Ericsons Chorarbeit. Seine Popularität und der Erfolg seiner Arbeit bot den zeitgenössischen schwedischen Komponisten die vielversprechende Perspektive, sich auch mit Chorkompositionen Gehör zu verschaffen. Zu nennen wären hier Komponisten wie etwa Arne Mellnäs, Sven-Erik Bäck, Sven-Eric Johanson oder Ingvar Lidholm, mit dem Eric Ericson an der Stockholmer Musikhochschule jahrzehntelang zusammenarbeitete.

Auf ganz anderer Art und Weise machte sich der Ericson-Schüler und Leiter des Göteborger Kammerchors Gunnar Eriksson um die Weiterentwicklung der Chormusik verdient. Mit seinen experimentellen Arrangements traditioneller skandinavischer Volksweisen und Choräle gelingt ihm der innovative Spagat zwischen der Wiederbelebung alter improvisatorischer Techniken und einer modernen Klangästhetik. So entlehnt Eriksson aus der Renaissance beispielsweise das Quodlibetprinzip (Tempus adest floridum/Den blomstertid nu kommer) oder den Proportionskanon (Ack Värmeland du sköna) und dringt damit in eine besondere Klangwelt vor, die typischerweise zwischen clusterartigen Klangflächen und farbigen Jazzharmonien hin und her zu schwingen scheint. Gunnar Eriksson gilt heute als Gründervater der modernen Chorimprovisation.mmerkonzerte stehen ganz im Zeichen der Sommersonnenwende. Midsommar wird in Schweden groß gefeiert. Das inspiriert uns, diese Tradition mit sommerlichem Liedgut aus Skandinavien zu pflegen.

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