Buxtehude: Membra Jesu Nostri

 

„Ein einzigartiges genreübergreifendes Konzertprojekt des Leipziger ensemble avelarte mit Leipziger und Berliner Barock­musikern und dem Schauspieler und Synchronsprecher Peter Reinhardt verbindet Musik, bildende Kunst und das gesprochene Wort und verspricht ein intensives und emotional packendes Konzerterlebnis.“

Dieterich Buxtehude

MEMBRA JESU NOSTRI (BuxWV75)

Als der Lübecker Dieterich Buxtehude (1637-­1707) 1680 seinen Passionszyklus “Membra Jesu Nostri“ komponierte, hatte er sich als Komponist und Orgelvirtuose längst einen Namen gemacht. Heute ist Membra Jesu nostri patientis sanctissima (Die heiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesu) ­ so der vollständige Titel der Komposition ­ sein wohl bedeutendstes Vokalwerk. weiterlesen

Midsommar – Schwedische Chormusik

Im Gegensatz zu Deutschland, wo der propagandistische Missbrauch des gemeinschaftlichen Singens durch die Nationalsozialisten tiefe Spuren hinterlassen hatte und wo Adornos Musikantenkritik sogar zur jahrzehntelangen Verbannung des gemeinsamen Musizierens aus den Musikklassenzimmern führen sollte, war das Verhältnis der Schweden zum Singen und zu ihrem Volksliedgut stets unverkrampft. Zum Einen zeigt sich hier der Einfluss der schwedischen Freikirchen, die der musikalischen Erziehung und dem gemeinsamen Singen seit jeher große Bedeutung beimessen. Andererseits aber verhalf seit dem Zweiten Weltkrieg Eric Ericson durch sein langjähriges Wirken als Dirigent des schwedischen Rundfunkchores und des Stockholmer Kammerchores dem Chorsingen in Skandinavien nicht nur zu stetig wachsender Beliebtheit, sondern auch vielen schwedischen Volksliedsätzen zu ungebrochener und europaweiter Popularität. So genießt in Schweden gleich ein ganze Reihe nationalromantischer Chorkompositionen – beispielsweise jene von Hugo Alfvén (Uti vår hage, Aftonen, Glädjens blomster, Och jungfrun hon går i ringen) und Wilhelm Stenhammar (Sverige, I Seraillets have) oder allen voran der Sommarpsalm von Waldemar Åhlén – bis heute mindestens den Bekanntheits- und Beliebtheitsstatus, den in Deutschland bestenfalls Mendelssohns O Täler weit, o Höhen für sich verbuchen kann.

Neben der Chormusik früherer Epochen, bildete vor allem die Neue Musik einen Schwerpunkt in Ericsons Chorarbeit. Seine Popularität und der Erfolg seiner Arbeit bot den zeitgenössischen schwedischen Komponisten die vielversprechende Perspektive, sich auch mit Chorkompositionen Gehör zu verschaffen. Zu nennen wären hier Komponisten wie etwa Arne Mellnäs, Sven-Erik Bäck, Sven-Eric Johanson oder Ingvar Lidholm, mit dem Eric Ericson an der Stockholmer Musikhochschule jahrzehntelang zusammenarbeitete.

Auf ganz anderer Art und Weise machte sich der Ericson-Schüler und Leiter des Göteborger Kammerchors Gunnar Eriksson um die Weiterentwicklung der Chormusik verdient. Mit seinen experimentellen Arrangements traditioneller skandinavischer Volksweisen und Choräle gelingt ihm der innovative Spagat zwischen der Wiederbelebung alter improvisatorischer Techniken und einer modernen Klangästhetik. So entlehnt Eriksson aus der Renaissance beispielsweise das Quodlibetprinzip (Tempus adest floridum/Den blomstertid nu kommer) oder den Proportionskanon (Ack Värmeland du sköna) und dringt damit in eine besondere Klangwelt vor, die typischerweise zwischen clusterartigen Klangflächen und farbigen Jazzharmonien hin und her zu schwingen scheint. Gunnar Eriksson gilt heute als Gründervater der modernen Chorimprovisation.mmerkonzerte stehen ganz im Zeichen der Sommersonnenwende. Midsommar wird in Schweden groß gefeiert. Das inspiriert uns, diese Tradition mit sommerlichem Liedgut aus Skandinavien zu pflegen.

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Passionskonzert Via Crucis (Franz Liszt)

 Die Konzentration auf einzelne, sich über Stille erhebenden Töne, Skalen und Klänge können in dem sich darauf einlassenden Hörer Gefühle ohnmächtiger Verzweiflung erwecken. Über diesem musikalischen Eindruck soll sich die Andacht zur Passionszeit entfalten. Hier „predigt“ der 1865 zum Priester geweihte Komponist mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Mitteln. Dabei bedient er sich einer enormen stilistische Vielfalt aus mehreren kompositionsgeschichtlichen Epochen: 

Gregorianischer Hymnus (Einleitung und Station XIV) und protestantisches Kirchenlied (Stationen IV und XII), Choralsatz a la Bach (Station VI) und mit spätromantischer Harmonik expressiv gesteigerte Choralvariation (Station XII), unbegleitetes Solorezitativ, dramatisches Chor-Unisono und Frauenchor-Passagen. Diese vielfältigen vokalen Elemente sind eingebettet in einen technisch zwar einfachen, musikalisch aber höchst komplizierten und harmonisch raffinierten Orgelsatz. Die Hälfte der vierzehn Stationen sind reine oder doch vorwiegend reine Orgelsätze.

(Unter Verwendung des Vorwortes zur Druckausgabe von Thomas Kohlhase (Liszt 1977) und Han Theill (Rheinberger, 1995))

Autor: Juliane Baron